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Deutsch-Dänisches

Montag, 18. August 2008

Liebe geht durch den Magen

und Familienbande auch.

Genau in dem Moment, als beim Spontanbesuch bei der Cousine vom Lieblingswochenendpartner mein Magen anfängt sich lautstark selbst zu verdauen, mein Zuckerspiegel unter Null sinkt und ich überlege wie Schäferhund am Spieß schmeckt, steht sie plötzlich auf und zaubert drei große Bleche Kuchen auf den Tisch. Der Kindergeburtstagskuchen vom Vortag ist nicht alle geworden, vielleicht wollen wir ja ein Stück.

Es sind Momente wie diese, in denen ich die dänische Verwandschaft sehr schätze. Und mein Zuckerhaushalt ist nun dank des Kagemand für Wochen im Vorraus auch wieder aufgefüllt.

Kulturschock

Sonntag, 10.30 Uhr, irgendwo in Dänemark:

Die Sonne brennt von einem fast wolkenfreien blauen Himmel herab, Schmetterlinge, Hummeln und Wespen summen über bunten Blüten, im Hof liegen eine handvoll Katzen und putzen sich schnurrend ihre vollgefressenen Bäuche, hinter der weißen Dorfkirche brummt leise ein Traktor. Es riecht nach Sommer, Getreidefeld und Tomaten. Das einzig laute Geräusch, das die sonntägliche Stille durchbricht, kommt von dem Rasenmäher, den ich langsam vor mir herschiebe, bis meine Arme schwer und die Gedanken frei sind.

Sonntag, 23.30 Uhr, Berliner Hauptbahnhof:

Es ist kalt, es ist dunkel, ich bin müde. Um mich herum hetzen Menschen zu ihren Zügen, nach Haus, in die Nacht. In der S-Bahn der Wagon voll mit betrunkenen Punks, übelriechenden Straßenfegerverkäufern und enervierendem Stimmengewirr. Züge rasen ratternd vorbei, eine Sirene heult, Bremsen quietschen.

Ich habe das Gefühl, ich brauche mit jedem Mal eine Weile länger, mich wieder in den Berliner Rythmus einzufügen. Vor ein paar Jahren noch habe ich die Hektik nach einem ruhigen Wochenende förmlich in mich aufgesogen, heute stehe ich leicht überfordert an der Bushaltestelle und sehne mich nach Stille.

Ich werd alt.

Dienstag, 5. August 2008

Survivalgrillen in freier Natur

Ja ich bin wieder zurück und ja ich lebe noch und nein, das ist nicht selbstverständlich. Dieses Grillfest hat mir wieder gezeigt, ich lebe gern in einer Großstadt, zuviel Natur ist einfach nicht gesund.

Natürlich fing es in dem Moment an zu regnen, als ich mich auf den Weg zum Zug machte, das hat mich ja nun gar nicht mehr überrascht. In Flensburg haben wir uns dann Samstag morgen in aller Frühe mit einem befreundeten Pärchen getroffen um Grillgut und Salatzubehör zu besorgen, die Jungs organisierten das Bier und die Mädels bunte Servietten in lustigen Sommerfarben und Pappgeschirr, nur um bei der Ankunft in Dänemark festzustellen dass die Gastgeberin E. sich auch nicht auf die Männerplanung verlassen hatte und selbst noch mehrere Salate vorbereitet und einen Kuchen gebacken hatte. Frauen halt... Da wir relativ früh ankamen und E. sich strikt weigerte sich helfen zu lassen, wurden die Frauen erst einmal am Wasser geparkt und durften die anwesenden Kinder bespaßen, während die Männer „nur kurz“ mit dem Rasenmäher fahren wollten. Nach einer gefühlten Stunde und meinem gescheiterten Versuch den kleinen Leon (3) mit dem Geschmack von Brombeeren vertraut zu machen: („Hier, das schmeckt gut“ - „Ääh“) machten wir uns dann mal auf die Suche und fanden die Herren vor dem PC. Welche Überraschung.

Dafür bekamen wir von E. die verantwortungsvolle Aufgabe, beim Decken der Kaffeetafel darauf zu achten, dass ihr Göttergatte auch ja die neu gekauften Tischdecken ordentlich dekorierte. Nachdem die Jungs uns mit nicht eindeutig identifizierbarem Blick dabei zusahen, wie wir bei Windstärke 12 versuchten die Decken auf den Tischen festzuhalten, entschlossen wir uns dann doch zum Ungehorsam und nutzten unsere Energie dafür, die Horden von Wespen vom Kuchen fernzuhalten. Leider spitzte sich das Verhältnis Mensch vs. Wespe ab dem Moment zu, als wir beschlossen das erste Bier zu öffnen. Ich habe noch nie erlebt dass Wespen aggressiv auf Bier reagieren. Oder ist das nur bei dänischen Wespen so? Liegt das am Glucosesirup im dänischen Bier? Ich weiß es nicht, auf jeden Fall war es nicht möglich in Ruhe zu trinken, so dass man die nächste halbe Stunde erwachsene Männer hakenschlagend und panisch um sich wedelnd über die Wiese hüpfen sah. Es wurde dann einstimmig beschlossen den Grillplatz mit größtmöglichem Abstand zum Wespennest zu verlegen. Bei dieser Umräumaktion dann passierte das Unvermeidbare, Klein-Leon wurde von einer Wespe in die Lippe gestochen. Bei der allgemeinen Aufruhr, die darauf folgte, stellte mein Herzallerliebster dann mal wieder fest, dass ihm das Vatersein nicht gegeben ist. Ganz verständnisvoll redete er auf den zweiten anwesenden Knirps Vincent (2) ein, der sich nach seinem Papa sehnte und wollte ihn ganz fürsorglich zum Auto führen um mit Leon und seiner Mama zum Haus zurück zu fahren, leider führte der Weg über eine Distelwiese und Klein-Vincent war barfuß...

Nachdem wieder allgemeine Ruhe eingekehrt war, trafen auch die restlichen Grillfreunde ein und der Kampf gegen die Wespen ging weiter. Wer gewinnen sollte, konnte man daran erkennen, dass die Männer sich irgendwann ins Auto zurückzogen und in sengender Hitze bei hochgefahrenen Fenstern ihr Bier tranken. Wir Frauen kümmerten uns derweil um den Grill und um die Salate, bis ein neuer Aufschrei über das Feld gellte, Klein-Leon wurde zum 2. Mal an diesem Abend von einer – Zitat Leon: „bösenbösen Fliege“ - gestochen, diesmal in den Arm. Nachdem er im Laufe des Abends sich auch noch einen Finger in der bösenbösen Autotür klemmte, vom bösenbösen Kletterbalken fiel und eine böseböse Schippe Sand ins Auge bekam, wurde ihm dann zu später Stunde der Tapferkeitsordnen für den beschissensten Tag von allen verliehen. Und ich dachte immer ich hätte schlechtes Karma... Ich war ja schon froh, dass er nicht noch kopfüber ins böseböse Lagerfeuer fiel, gepasst hätte es.

Nach dem Grillen ging es dann für mich endlich ins Wasser und als es kühler wurde ließ auch die Wespenbedrohung stetig nach. Beziehungsweise wurden sie einfach von den Mücken erzetzt, aber da war uns dann auch schon alles egal. Es wurde dann ein sehr lustiger Abend bis die Kiddies irgendwann müde waren und sich ein Pärchen nach dem anderen auf den Weg machte, bis auf uns, die wir den weitesten Weg hatten und dort nächtigen wollten. Zu diesem Zweck hatte der Lieblingswochenendpartner ein Zelt besorgt, welches er pfadfindererfahren und planungssicher windgeschützt aufbaute – um eine Kuhle herum.

Es muss wohl an meinen Pionierferienlagererfahrung liegen, auf jeden Fall stehe ich dem Zelten, freundlich ausgedrückt, eher abneigend gegenüber. Ich war noch nie Zelten und ich will nie wieder Zelten gehen. Während ich gefühlte 20 verschiedene Liegepositionen ausprobierte, fiel Fähnrich Fieselschweif neben mir in den tiefen Schlaf eines BIWAK-Profis und lies mich mit meinem Elend allein. Anstatt dass mich der Schlaf übermannte, wurde ich immer wacher. Der Wind wurde wieder stärker und die Bäume rauschten in enormer Lautstärke. Dann überlegte ich ob das Feuer wirklich aus war. Dann überlegte ich weiter, ob das Rauschen der Bäume eventuell das Rauschen der Feuerwalze sein könnte, die das Zelt einschloss. Dann blitzte es. Dann knallte es. Dann donnerte es und dann leuchtete der Himmel. Dann war es ganz still. Dann hörte ich Fledermäuse über mir kreisen. Dann schlief mein Arm ein. Dann brach ich mir das Kreuz als sich der Fähnrich wegdrehte und ich in die Kuhle rutschte. Dann fiel mir ein dass mein Badeanzug eventuell weggeweht werden könnte. Dann brauste plötzlich der Wind los und ich sprang auf um meinen Badeanzug zu retten. Dabei sah ich, dass die Asche noch glühte. Dann lag ich wieder im Zelt und überlegte, ob ich nicht lieber einen Eimer Wasser hätte drüber gießen sollen. Dann fing neben mir jemand an zu schnarchen. Dann blitzte es wieder und gleichzeit fing es an zu regnen. Es goss wie aus Eimern, unser Zelt war zwar durch eine Überdachung geschützt, allerdings sammelte sich das Regenwasser dort in der Regenrinne und prasselte direkt neben unserem Zelt auf ein Holzbrett. Und dann musste ich pieseln. Und das war bei dem Regengeräusch kein wirklich angenehmes Gefühl.

Aber dann lies der Wind langsam nach, der Regen wurde feiner und wunderlicher Weise plätscherte mich das nach gefühlten 2 Stunden in den Schlaf. Das Frühstück (höchstens 5 min später) bestehend aus leicht feucht geregneten Marshmallows und frischen Brombeeren war übrigens das Beste an dieser Nacht.

Fazit: So schön und idyllisch zu wohnen hat sicher seiner Vorteile, aber wehe die Natur schlägt zurück, das ist mir einfach viel zu gefährlich. Und: Ich! Hasse! Zelten! Immernoch.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Männerplanung im Allgemeinen und dänische Männerplanung im Besonderen

Ich hätte es einfach wissen müssen. Seit mindestens drei Jahren geistert ein Plan durch das Grenzland, die gesamte deutsch-dänische Horde samt Frau, Kind und Kegel zu einem Familiengrillen im Sommer an ein und dem selben Ort zu vereinen. In diesem Jahr nun sollte es soweit sein, der Plan wurde gefasst, im Mai konkretisiert, der Ort stand schon seit Jahren fest, der Hauptorganisator wurde gewählt. Die korrekte Deutsche, also ich, buchte ihre Fahrkarte, buchte sie wieder um, und bastelte ein Mitbringselgeschenk für die Dame des Hauses, welches überfallen werden sollte. Aus jahrelanger Erfahrung hielt ich mich mit weiteren Nachfragen nach dem genauen Ablauf schweren Herzens weitesgehend zurück, bis ich gestern nicht mehr konnte und mal ganz zaghaft erkunden wollte, ob eventuell irgendwelche Unterstützung erwünscht ist. Schließlich soll das Grillfest diesen Samstag statt finden, ganz eventueller Weise könnte man ja verschiedenen Gästen im Vorfeld verschiedene Aufgaben übertragen.

Ja, ich hätte es wissen müssen. Vielleicht habe ich es auch längst gewusst und deswegen nicht so ausdauernd nachgefragt, aber es hätte mich einfach nicht überraschen dürfen. Der Hauptorganisator hat vor lauter familieninternen Umbrüchen die Organisation vernachlässigt, der Gastgeber rechnete zwar damit, dass im Laufe des Tages irgendwer kommen würde, aber wer wann und warum war ihm auch nicht so ganz klar, ansonsten hat er eh erst ab Abends Zeit aber das wäre ja alles kein Problem, die Gäste würden sich ja auskennen.

Und das Schlimme daran ist, es ist für sie auch kein Problem. Mir als deutschem Planungsfreak brach justamente der Schweiß aus, das Gehirn raste, sämtliche schnellen Salatvariationen wurden im Kopf auf Transportfähigkeit und Verderblichkeit durchsucht, das Gepäck von einem kleinen Rucksack auf zwei Reisetaschen inklusive Survival-bis minus 30°-Schlafsack aufgestockt, sämtliche Einkaufsmöglichkeiten in Deutschland und Dänemark durchdacht, die Panik mit mehreren verschwitzten Kerlen in einem Zelt zu schlafen niedergekämpft, verzweifelt die Tatsache verflucht, nicht die Telefonnummer der Gastgeberin zu haben um mit ihr schnell den minutiösen Ablaufplan des Tages durchzugehen und die Zähne knirschten bei dem Versuch jetzt bloß nicht auszuFLIPPEN auf Grund dieser unglaublichen "Planung".

Und ich weiß, das einzige was ich tun kann ist, gar nichts zu tun, mich völlig rauszuhalten und am Ende wird alles da sein, Bier, Fleisch, Grillzeugs, Feuer, Wasser, Strand, Wiese, Schlafsack, der Tag wird entspannt sein ohne große Planungshektik, alle werden tun wozu sie lustig sind, und das alles ohne sich vorher auch nur über irgendwas einen Kopf zu zerbrechen.

Männer! Dänen! Unglaublich!

Wie sagte der korrekte deutsche Vielleicht-irgendwannmal-Schwiegerpapa über die entspannte dänische Vielleicht-irgendwannmal-Schwiegermama?

Mich regt auf, dass SIE nichts aufregt.

Ich verstehe so gut was er meint...

Luftgebilde

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Frischluft

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June_blogt - Di, 22. Dez, 21:15
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