Literatur
Tief in meinem Herzen bin ich spießig. Ich höre gern Operetten, ich mag keine nackten Menschen mit Exkrementen auf Theaterbühnen und ich lese gerne Tolstoi. Und ich schäme mich nicht einmal dafür. Ich kann Menschen nicht ausstehen, die so unbedingt hip und up to date sind und jeden Scheiß mitmachen müssen, dass sie vor lauter sein wollen ganz vergessen wer sie wirklich sind. Ich lebe zwar in einer Großstadt, aber tief in mir drin sehne ich mich manchmal nach dem spießbürgerlichen Kleinstadttum, vor dem ich mit 21 geflüchtet bin. Wenn man es genau nimmt, lebe ich auch in Berlin wie in einer Kleinstadt, nur selten zieht es mich in die hippen Bezirke, nur selten lasse ich mich auf eine Tour durch die Clubszene ein, und noch immer fühle ich mich beim CSD wie beim Besuch im Pfauengehege.
Vielleicht mag ich Berlin gerade deswegen so, für jeden nimmt die Stadt eine andere Gestalt an, für den einen ist es die Gestalt der Freiheit, für einen anderen der Inbegriff der Kultur, ein anderer lebt zwischen Lieblingssupermarkt und Lieblingsmexikaner und freut sich, dass er könnte wenn er wollte wie er könnte, und ein ganz anderer taucht ein in die Stadt, in eine andere Welt, in eine Realtität, saugt sie auf und lässt sich aussaugen und lebt damit ein ganz anderes Berlin als ich es tue. Über dieses andere Leben hat Airen geschrieben und hat neben seinem Blog ein Buch über eine exzessive Zeit in Berlin verfasst. Ich bin durch eine Blogroll vor zwei Jahren auf ihn gestoßen, am Anfang eher abgestoßen vom Geschriebenen, später immer mehr seltsam fasziniert, anscheinend besitze auch ich eine voyeuristische Charakterschwäche.
Fast gleichaltrig, wohnhaft in der selben Stadt, könnte sich mein Berlin nicht noch mehr von seinem unterscheiden. Die Technophase hat einen großen Bogen um mein Leben gemacht, wahrscheinlich verschreckt von lauter Elvismusik, und dank strikten Erziehungsregeln meiner Eltern beschränkte sich mein Drogenkonsum fast nur auf heimliches Goldkrone-Cola-Trinken hinterm Jugendclub. Und obwohl ich ausreichend und ausgiebig pubertiert habe, war ich doch nie versucht, diesen extremen Weg zu gehen. Wahrscheinlich auch nur, weil mir alles Neue schon immer erstmal Angst gemacht hat, damals noch viel mehr als heute.
Ob es nun wirklich alles so geschehen ist, oder ob es literarische Freiheit mit einem Schuss Realität und einer Prise Hörensagen ist, jedenfalls habe ich mich damals einmal durch sämtliche Blogs und Texte gelesen, habe gelesen über ein Leben in Berlin, das gar nicht weit von meiner Haustür passiert, aber trotzdem so weit weg, als wäre es in einem Paralleluniversum und habe mich gewundert, ob man dieses Leben wirklich führen kann und warum man es so führen will. (siehe oben, Stichpunkt spießig)
Nun geistert seit einiger Zeit nach dem unsäglichen "Freuchtgebiete" ein neuer "Schockerroman" durch die Feuilletons, der schrecklich-schaurige Erguss einer 17jährigen, die meiner Meinung nach zuviel "Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen hat: "Axolotl Roadkill" Noch nerviger als Leute, die unbedingt hip sein wollen, finde ich Menschen, die glauben, Kunst kann nur noch Kunst sein, wenn sie schockt, und Menschen, die diesen dann auch noch recht geben. Um so besser fand ich dagegen diese Entdeckung.
Was mich dabei so richtig nervt, ist, dass es mal wieder beweißt, dumm-dreist siegt. Ich hoffe wirklich, dass dieses Kind einen Denkzettel bekommt und die Herren Literaturkritiker einmal tief in sich gehen und ihr eigenes Drogenkonsum überprüfen.
Vielleicht hätte ich Airens Texte, hätte ich sie in einem Roman gelesen, genauso nervig und überflüssig gefunden, vielleicht hat der Blograhmen dem Ganzen den letzten Touch Authensität verliehen, der mich schlussendlich gefesselt hat, auf jeden Fall hoffe ich sehr für ihn, dass er aus der Geschichte etwas Gutes machen kann, wenn er das denn überhaupt will... ein bißchen Werbung kann jedenfalls sicherlich nicht schaden...
Vielleicht mag ich Berlin gerade deswegen so, für jeden nimmt die Stadt eine andere Gestalt an, für den einen ist es die Gestalt der Freiheit, für einen anderen der Inbegriff der Kultur, ein anderer lebt zwischen Lieblingssupermarkt und Lieblingsmexikaner und freut sich, dass er könnte wenn er wollte wie er könnte, und ein ganz anderer taucht ein in die Stadt, in eine andere Welt, in eine Realtität, saugt sie auf und lässt sich aussaugen und lebt damit ein ganz anderes Berlin als ich es tue. Über dieses andere Leben hat Airen geschrieben und hat neben seinem Blog ein Buch über eine exzessive Zeit in Berlin verfasst. Ich bin durch eine Blogroll vor zwei Jahren auf ihn gestoßen, am Anfang eher abgestoßen vom Geschriebenen, später immer mehr seltsam fasziniert, anscheinend besitze auch ich eine voyeuristische Charakterschwäche.
Fast gleichaltrig, wohnhaft in der selben Stadt, könnte sich mein Berlin nicht noch mehr von seinem unterscheiden. Die Technophase hat einen großen Bogen um mein Leben gemacht, wahrscheinlich verschreckt von lauter Elvismusik, und dank strikten Erziehungsregeln meiner Eltern beschränkte sich mein Drogenkonsum fast nur auf heimliches Goldkrone-Cola-Trinken hinterm Jugendclub. Und obwohl ich ausreichend und ausgiebig pubertiert habe, war ich doch nie versucht, diesen extremen Weg zu gehen. Wahrscheinlich auch nur, weil mir alles Neue schon immer erstmal Angst gemacht hat, damals noch viel mehr als heute.
Ob es nun wirklich alles so geschehen ist, oder ob es literarische Freiheit mit einem Schuss Realität und einer Prise Hörensagen ist, jedenfalls habe ich mich damals einmal durch sämtliche Blogs und Texte gelesen, habe gelesen über ein Leben in Berlin, das gar nicht weit von meiner Haustür passiert, aber trotzdem so weit weg, als wäre es in einem Paralleluniversum und habe mich gewundert, ob man dieses Leben wirklich führen kann und warum man es so führen will. (siehe oben, Stichpunkt spießig)
Nun geistert seit einiger Zeit nach dem unsäglichen "Freuchtgebiete" ein neuer "Schockerroman" durch die Feuilletons, der schrecklich-schaurige Erguss einer 17jährigen, die meiner Meinung nach zuviel "Kinder vom Bahnhof Zoo" gelesen hat: "Axolotl Roadkill" Noch nerviger als Leute, die unbedingt hip sein wollen, finde ich Menschen, die glauben, Kunst kann nur noch Kunst sein, wenn sie schockt, und Menschen, die diesen dann auch noch recht geben. Um so besser fand ich dagegen diese Entdeckung.
Was mich dabei so richtig nervt, ist, dass es mal wieder beweißt, dumm-dreist siegt. Ich hoffe wirklich, dass dieses Kind einen Denkzettel bekommt und die Herren Literaturkritiker einmal tief in sich gehen und ihr eigenes Drogenkonsum überprüfen.
Vielleicht hätte ich Airens Texte, hätte ich sie in einem Roman gelesen, genauso nervig und überflüssig gefunden, vielleicht hat der Blograhmen dem Ganzen den letzten Touch Authensität verliehen, der mich schlussendlich gefesselt hat, auf jeden Fall hoffe ich sehr für ihn, dass er aus der Geschichte etwas Gutes machen kann, wenn er das denn überhaupt will... ein bißchen Werbung kann jedenfalls sicherlich nicht schaden...
June_blogt - Di, 9. Feb, 22:04
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